Eine tolle Woche ist rum. An der Fakultät war Klausurenwoche, also hatte ich keine Vorlesungen und konnte faulenzen bis zum Abwinken. Habe mich deshalb wieder entspannt auf dem Balkon meiner derzeitigen Literatur widmen können (”Le Pacte des Loups” - “American Psycho” auf Französisch war aber auch nicht schlecht) und dabei die Sonne genießen. Leider musste ich zwei der sonnigen Tage mit Lernen für die letzte anstehende Monsterklausur vergangenen Freitag verbringen, da ich die letzten drei Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Gründen versäumt hatte: beim ersten Mal hatte ich keine Lust zur ersten Stunde aufzustehen, da wir am Vorabend was trinken waren, beim zweiten Mal wurde ich fehlinformiert über den Ausfall der Stunde, welcher dann beim dritten Mal tatsächlich stattfand. Kurz, habe mich also auf unseren 2 m² puren Sonnenschein “breitgemacht” und gestrebt. Es trug Früchte, die Klausurfragen waren schwubbdiwupp aufs Papier gebracht.
Und es ist wieder etwas frischer geworden. Die dicke Winterjacke und ein paar Handschuhe dürfens dann doch wieder sein. Weiß auch nicht woher der plötzliche Temperaturknick kommt. In der Sonne mags noch gehen, im Schatten ists ne völlig andere Geschichte. Ich trug also Schal, als ich mich auf den Campus geschlichen und auf die Suche nach Stundenplänen für das nun anstehende Semester gemacht habe. Einige Uhrzeiten für die Kurse konnte ich dabei in Erfahrung bringen. Da mein zukünftiger Stundenplan aber sonst so lückenhaft wie die Straßenabschnitte nahe meiner Wohnung sind, werd ich nächste Woche nochmal hin müssen. Lag mitunter auch daran, dass einige Stundenpläne erst innerhalb der ersten Woche ausgehängt werden, was damit die ersten Versäumnisse vorprogrammiert. Wie soll man eine Vorlesung besuchen, von der man nicht weiß wann und wo sie stattfindet?
Die Woche war ich mit meinem Mitbewohner Fayssal früh auf einem Obst- und Gemüsemarkt, gar nicht so weit entfernt und zu Fuß prima zu erreichen. Dort angekommen kam ich mir ein kleinwenig wie im Himmel vor, da dass Obst frisch und sehr günstig ist. Und da ich den ärztzlichen Rat von fünf Portionen Obst am Tag auf keinen Fall missachten möchte, habe ich mir den Rucksack mit Orangen, Äpfeln und Bananen vollgestopft. Auf diesen Markt werd ich jetzt öfter gehen.
Natürlich gabs auch wieder kleinere administrative Aufgaben, die nach Bewältigung schrien, wie z.B. der Gang zum Bahnhof, um nach der Möglichkeit einer Umbuchung meiner bereits gekauften Zugtickets für den Februar-Ausflug nach Lille zu fragen. Ging natürlich nicht. Auch durch große Augen Machen und nettem Nachfragen ließ sich die Bahn-Beamte nicht erweichen - winterliche Gefühle auch in ihr
Das ganze spielte sich aber erst nach nunmehr bekannten und nicht mehr all so nervend empfundenen, dreiviertelstündigen Anstehen in der Warteschlange ab. Man arrangiert sich jedoch, inzwischen begleiten mich immer Buch oder mp3-Player auf Ämter und öffentliche Einrichtungen in Montpellier
Ja, und wenn wir einmal von Bürokratie sprechen, dann darf natürlich das liebe Bafög-Amt nicht fehlen. Nachdem Karo, meine WG-Mitbewohnerin in Dresden, mir die gescannte Version vom aktuellen Bescheid zugeschickt hatte, sah ich mir selbigen an und bemerkt, dass sich meine monatliche Zuwendung (ein tolles Wort, “Zuwendung” vom Amt) trotz eingereichten Nachweises über Wohngeldbezug hier in Frankreich nur um lächerliche 2 € erhöht hatte. So eine minimale Erhöhung musste doch selbst dem Amt zu blöd sein, oder? Ich hatte mit weitaus mehr gerechnet. Die Erklärung dafür fand ich umgehend, nach einem geschulten Blick aufs Papier (gut, eigentlich wars der Laptop-Bildschirm) : Dort hatte man mir in Feld 64 aus heiterem Himmel 62 € “steuerfreies Einkommen” eingetragen. Woher die kommen? - Keine Ahnung. Aber das wird mir mein etwas lethargisch anmutender Sachbearbeiter Herr Strieht am Montag sicher gern beantworten. Ich bin gespannt was ICH wieder falsch gemacht haben soll …
Richtig winterlich wurde es dieses Wochenende. Erst war ich Eislaufen mit Mitstudenten aus dem amerikanischen, mexikanischen und rumänischen (eine diesmal weitaus besser verständliche Studentin) Ausland und am Samstag dann der Tagesausflug mit der Association Erasmus nach Mont Aigoual. In knapp 1600m Höhe fanden wir noch Schnee und waren Schlitten fahren. War echt lustig, mal wieder nach so langer Zeit - Schlitten fahren bleibt halt zeitlos klasse. Als wir dann noch einen kleinen Fußmarsch auf den Mont Aigoual Richtung Wetterstation gemacht haben, wich der beschauliche Spaziergang in winterlicher Atmosphäre windigen und polarähnlichen Bedingungen. Es war arschkalt da oben! Gut dass es anschließend nach dem Abstieg warmen Kaffee und Tee in einem kleinen Restaurant gab. Mit dem Bus ging es dann wieder zurück nach Montpellier, wo ich zu Hause angekommen Pauline, eine französische Freundin, traf. Sie kannte ich schon von den ersten 2 Wochen hier in Montpellier, als unser Appartement 8 Leute beherbergte. Nun bleibt sie wieder für eine Woche bis sie mit Erasmus nach Portugal fährt.
Gut, ich werd dann mal den Sonntag genießen - und ihr macht bitte dasselbe! Machts gut!
Ach, ja das gute Bafög-Amt. Ich werd jetz wohl auch reichlich weniger kriegen,da meine Schwester jetz auch studiert…Na vielen Dank!
Also, sitzt du mit Schal und Winterjacke relaxt auf dem Balkon und liest??? Oh, Gott. Bei uns hat es geschneit!
Sandra Februar 3, 2008